Fotodings – In den Thüringer Wald geguckt

Fotodings – In den Thüringer Wald geguckt

Ich mag Spazierengehen nicht. Dieses Umherstampfen nur um des Umherstampfenwillens. Ich gucke lieber. Zielloses Gucken. Manchmal lungert dann Licht herum und ich laufe dem Licht hinterher. Lichtläufer. So bin ich auch in diesen Thüringer Wald gelaufen. Anfangs nur ein bisschen und dann immer weiter bergauf dem Licht hinterher. Unversehens stand ich oben. Kurz benahm sich das Licht noch wie doll, spuckte Farbe um Farbe in den Wald und dann war es weg. Mit der Sonne untergehen. Ich hätte hänseln und greteln sollen, brotkrümeln auf dem Weg nach oben. Denn, wie das Licht weg war, war auch mein Weg weg. Das Hotel irgendwo da unten und Maps noch weiter unten im Funkloch. Mit dem Orientierungssinn einer komatösen Nebelkrähe gesegnet, wählte ich von drei Wegen natürlich den Falschesten. Irgendwann kroch dann auch Google wieder aus seinem Loch und ich lichtlos zurück ins Hotel.

 

Das Hotel, von dem ich mir nie merken konnte, ob es nun der Waldhof am Berg oder der Berghof am Wald war, mitten im Nirgendwo, aber immer noch nah genug an Wartburg, Weimar, Buchenwald und Erfurt. Orte, die man gesehen haben soll, muss, will. Buchenwald ganz oben auf der Liste. Aber dort macht man keine Fotos. Es würde dem Ort nicht gerecht. Das Konzentrationslager hat eine sehr gute Webseite hier. Und dieses Buch hier sollte wie Kempowskis Echolot Pflichtlektüre in allen Schulen sein. Es sind die Geschichten der Menschen, Insassen wie SS-Leute, die den Schrecken sichtbar werden lassen – mehr als alle monströsen Zahlen.

So bleiben noch ein paar belanglose Fotos von Wartburg und Erfurt – Weimar fiel ins Zeitloch. Erfurt ist hübsch, hübscher als gedacht und die Wartburg riecht nach Thüringer Bratwurst.

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